Zero Waste und Vegan – trendige Lifestyles ausprobieren

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Momentan befinde ich mich in einem Gemütszustand, den viele erleben, wenn sie das erste Mal Auto fahren:
Kupplung langsam kommen lassen und gleichzeitig Gas geben.
Meist ist man die ersten Minuten damit beschäftigt keinen Kotzreiz zu bekommen und wie ein Wackeldackel völlig die Kontrolle über seinen Kopf zu verlieren.

Ja, genau so kann man das beschreiben. Ich versuche mich zu lösen von dem Trubel der Welt und gleichzeitig versuche ich Gas zu geben, aktiv zu werden für die Umwelt und unseren einzigen Planeten. Schnief.

Ich habe mich dazu entschlossen, für ein paar Wochen vegan zu leben und gleichzeitig weniger Müll (heutzutage bekannt in der Lebensform „Zero Waste“) zu produzieren.
Dass ich völlig überfordert bin und dann doch mit einer Ladung voll mit in Plastik eingepacktem Gemüse zuhause sitze, war mehr als klar.
Wie war das nochmal? Gut Ding will Weile haben. Ach ja!

Ich habe das Buch „Anständig Leben“ von Sarah Schill gelesen und auch andere Bücher und Filme haben mich überzeugt meinen persönlichen Umwelteinfluss zu minimieren. Anscheinend kann man mehr machen als zum Einkauf Jutebeutel mitbringen und Strohhälme ablehnen.

Viele Zero Waste-Blogger und Fortgeschrittene nehmen ihre eigenen „Mason Jar“ mit, also ihre großen leeren Marmeladengläser und benutzen diese für Kaffee, Smoothies, Wasser usw. und haben dabei auch meist einen Edelstahl-Trinkhalm mit dabei um zu zeigen dass Zero Waste auch fancy sein kann.

„Cool!“ ,denke ich und informiere mich über Amazon wieviel denn solche Gläser kosten und die dazu passenden Trinkhalme. „Ist schon nicht wenig.“ ,ist der nächste Gedanke.
Ich mache mir bewusst, dass ich zuhause zwar kleinere und uncoolere Gläser habe, dennoch taugen auch die, um Kaffee und Co. mitzunehmen.
Bevor ich also wieder kaufe wird das klassische „Gartenkrone“-Glas von Aldi zweckentfremdet.

Dann besuche ich den ersten „Zero Waste“-Supermarkt in München.
Der sieht auch mega fancy aus und bietet sehr viele Produkte, die man sich in Gläser abfüllen kann. Die Gläser kosten dann extra und man muss sich diese oder eigene Gläser mitbringen, um einzukaufen.
Ich bin fasziniert von dem Konzept, auch wenn manche Omas jetzt den Kopf schütteln und sagen „Das war früher auch schon so!“
Ich nehme mir ein paar wenige Gläser mit und weiß nicht so recht ob ich jetzt Kichererbsen oder Sojabohnen gekauft habe.
Das wird sich noch herausstellen.

Gleichzeitig informiere ich mich über vegane Produkte und was man denn so isst als „Veganer“. Eigentlich ging es mir anfangs nur darum, keine Milch mehr zu trinken, weil sie sehr sättigend ist und mich träge macht.
Ich fange an zu googeln. Kuhmilch ist ein Produkt, dass auch eigentlich nur für Kuhbabys gedacht ist und nur von der Kuh produziert wird, wenn diese schwanger ist. Klingt auch logisch, oder?

Kühe müssen also ganz viel schwanger sein und gebären, damit sie viel Milch produzieren. Damit wir Menschen aber an die Milch kommen, wird das Kalb direkt nach der Geburt von der Mutter getrennt. Psychosomatisch gestörtes Kalb ist geboren.
Unschöner Gedanke, der mich aber nicht in Ruhe lässt.
Welches Lebewesen trinkt denn sonst noch Milch wenn es herangewachsen ist?
Mir fällt Keines ein.

Also beschließe ich, keine Milch und Milchprodukte mehr zu konsumieren.
Geht ja auch ohne, denk ich.
Trotzdem ist mein erster Gedanke, dass mich jetzt alle als „Öko“ bezeichnen und ich nie wieder draußen mit Freunden essen kann, ohne genervt angeschaut zu werden.

Um also Tieren keinen Schaden zuzufügen versuche ich auch bei Klamotten Abstand von Leder zu halten und schaue mir die „veganen“ Alternativen mancher Labels an. Nicht günstig, weil das meiste dann ja auch gleichzeitig fair hergestellt wurde. Aber es besteht dann doch meist aus verarbeitetem Plastik, wo wir wieder bei den Punkten Zero Waste und Minimalismus wären:
Weniger Konsum, weniger Plastik, weniger Umweltverschmutzung.

Ob ich mir da eine große Bürde auferlegt habe?
Ich denke, solange ich meinem Schildkröten-Dasein die nötige Zeit gebe und mich nicht einfach in meinem Panzer verstecke ist alles in Ordnung.

Ich versuche nach dem Kant’schen „Sapere Aude“ (Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen) meine Ohren und Augen offen zu halten und die Dinge zu hinterfragen:

Wieso ist Fleisch im Aldi so günstig? Woher kommt das Fleisch an der überfüllten Fleischtheke? Woher kommt die Milch in meinem Kaffee und wie werden diese Tiere behandelt? Und wieso sehen alle Möhren gleich aus?

Ich weiss, dass ich noch die ein oder andere Hürde meistern muss, um diese fancy Lebensstile für mich sinnvoll zu nutzen und bin gespannt auf die nächsten Aha- oder OhNo-Momente.
Ich halte euch auf dem Laufenden.

//Çi

2 Gedanken zu „Zero Waste und Vegan – trendige Lifestyles ausprobieren“

  1. Liebe Cigdem!

    Ich habe deinen Blog gerade eben erst entdeckt (über die Liste des Green Blogger Meetups) und bin ganz begeistert von deinen Zielen und deinem lockeren Ehrgeiz, Neues kennenzulernen und dich auf die Reise in Richtung Minimalismus zu begeben. Ich habe vor gar nicht so langer Zeit dieselbe Entscheidung getroffen und bisher nur gute Erfahrungen gemacht – ich merke, dass das sicherlich eine der besten und weitreichendsten Entscheidungen meines Lebens war und freue mich darauf, wie es weitergehen wird, sowohl bei dir als auch bei mir. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    1. Danke liebe Jenni, ich habe auch bisher viele gute Erfahrungen gesammelt und bin selbst sehr begeistert davon, mit weniger zu leben.
      Freue mich auch schon auf das Meetup! 🙂

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